Scheitern als Methode für erfolgreiches Handeln

“Wer nichts macht, macht nichts falsch!”.

Eine bekannte und weitgelebte Aussage, die aus meiner Sicht aber in wichtigen fundamentalen Annahmen falsch ist. In einer Phase der Selbstreflektion (ich spreche nicht über Spiegel!) und immer wieder vorkommenden Zweifeln, ob das eigene Handeln so Sinn macht, ist das ein typischer “Lehrsatz” der immer wieder hochkommt.

Sowohl in meiner Tätigkeit als selbständiger Dienstleister in Entwicklungsprojekten, als auch in meiner privaten “Bastlertätigkeit” muss ich immer wieder feststellen, dass es manchmal besser gewesen wäre, eine Aktion oder Aussage in der verwendeten Form zu lassen. Dankenswerterweise sitze ich in Bezug auf Selbstzweifel relativ fest im Sattel , auch weil ich dies so akzeptiere bzw. versuche aus den dann gemachten Erfahrungen zu lernen.

Nach einigen Jahren Lebens- und Berufserfahrung kann ich (zumindest für mich) dazu sagen, dass es genau so richtig ist und der Kenntnisgewinn dabei enorm sein kann. Beispielsweise habe ich in meinen privaten Projekten immer wieder Dinge getan, die (manchmal absehbar) so nicht tragfähig, sinnvoll oder zumindest nicht optimal waren. In der Konsequenz (nach einigem Fluchen über die eigene Dummheit) wurde aber fast immer durch Verbesserung, Umbau oder Wiederverwertung ein manchmal noch deutlich besseres Ergebnis erreicht als es beim Erstversuch überhaupt möglich gewesen wäre. Plus die Kenntnis über Konsequenzen wenn man es anders macht.

Konkret ist z.B. meine Solaranlage von vornherein suboptimal geplant gewesen und hat auch immer noch massive Defizite (im Vergleich zu einer optimalen “Stangenlösung”). Allerdings habe ich inzwischen deutlich mehr Hintergrundwissen zum Thema aufgebaut als man als privater Nutzer sonst erreicht. Dieses Wissen kann ich in anderen Projekten wieder einbringen und gewinne so mittelfristig erheblich mehr als einfach nur ein gutes, aber für mich unverständliches Produkt zu kaufen. Und das Rahmenbedingungen nicht optimal sind, ist leider sehr häufig eher die Regel als Ausnahme. Neben dem Tal der Tränen steht also ein erheblicher Gewinn an Erfahrung und Hintergrundwissen.

Hätte ich das Thema weiterhin einfach vertagt, könnte ich auch keinerlei Fortschritte beim Thema erreichen. Bei manchen Dingen hätten sich auch Zeitfenster geschlossen. Hier kann ich z.B. meine Selbständigkeit nennen. Ich glaube nicht, das ich mit Familie und den aktuellen laufenden Kosten bzw. Rahmenbedingungen einen Start in die Selbständigkeit wagen würde.

Worauf will ich eigentlich hinaus?

Ich möchte dafür werben, das es sehr sinnvoll sein kann, zuerst ein kleines Projekt mit bewussten Fehlern und Schwächen (an die Wand) zu fahren um für ein späteres Projekt nützliches oder erforderlichen Wissen aufzubauen. Einige investierte Euros an Material und Zeit sind oft erheblich billiger als ein schiefgelaufenes Großprojekt oder eine gescheiterte Existenz. Ebenso sollten Projekte ganz bewusst und konsequent reflektiert werden und Erfahrungen für andere Projekte bewusst und verfügbar gemacht werden. Dies ist eigentlich bei den meisten betrieblichen Prozessen so vorgesehen, wird aber in sehr vielen Fällen nicht wirklich gelebt. Privat ist hier eine entsprechende Disziplin und Persönlichkeit gefordert, der Nutzen aber mindestens gleichwertig. Praktisch immer ist es ein Gewinn, ein Scheitern aufzuarbeiten und den eigenen Beitrag zu reflektieren.
Nicht zu vergessen, dass es für das eigene Wohlbefinden wesentlich besser ist, wenn dann zumindest so ein Gewinn aus dem Scheitern gezogen werden kann.
Und ein geplantes Scheitern als Basis für ein erfolgreiches Großprojekt ist ja nicht mal ein Scheitern, sondern Plan.

Frohes und erfolgreiches Scheitern!

Haussolaranlagen – Sozialer Austausch inklusive

Inzwischen sind es ja schon einige Artikel in Bezug auf das Solaranlagenprojekt geworden, daher soll es heute mal um einen ganz anderer Aspekt gehen.

Wenn man ziemlich auffällige Teile wie Solarmodule irgendwohin dübelt, kann man sich der Aufmerksamkeit der Nachbarn und Passanten sicher sein. Auch ist man selber natürlich irgendwie darauf fokussiert, zumal auch für einen selber diese Teile erheblich präsenter sind als z.B. einige hundert Zeilen Code. Dabei ist es auch völlig egal, wie hoch der eigene Anspruch ist und welche Schwierigkeiten dabei gelöst wurden. Ehrlich gesagt sind Solaranlagen rein technisch nicht mehr besonders komplex (zumindest die mit Mikrowechselrichtern). Natürlich muss man vieles beachten, aber die eigentliche Montage ist schon sehr komfortabel und eingängig.

Was aber dabei und danach plötzlich, quasi als Nebenwirkung aufkommt, ist der zufällige Austausch mit ganz unterschiedlichen Leuten.
Bei mir ist das konkret ein befreundeter Bastler, der lustigerweise fast zeitgleich mit mir eine sehr ähnliche Anlage in Angriff genommen hatte. Da wir uns nur so einmal im Jahr zusammenrufen, war das ein ganz lustiger Zufall und dann ein sehr langes Gespräch alleine zu diesem Thema.
Auch der Nachbar, der sich an den Module aussichtstechnisch erfreut, hat sich zu Rahmenbedingungen und Details unterhalten und sich den Aufbau mal im Detail angesehen. Dessen Sohn wiederum hat sich eine kommerziell ausgelegte Anlage aufgebaut, da gab es dann auch wieder einiges an Erfahrungsaustausch. Auch die (teilweise negativen) Erfahrungen mit Dünnschichtmodulen auf seinem Boot waren hier ein Thema. So wie es aussieht hat sich meine Bastelei auch hier ausgewirkt, es da wird wohl demnächst auch eine kleine Anlage aufgebaut.
Mit interessierten Arbeitskollegen ist hier auch immer wieder mal ein kleiner Plausch drin, keine Frage.

Grundsätzlich haben gerade Solaranlagen in der aktuellen Zeit, ähnlich wohl wie E-Autos oder auch (ganz traditionell) Kinder eine sehr ähnliche Wirkung als Gesprächskatalysator. Auch wenn die Meinungen durchaus verschieden sein können, passiert es recht schnell das man ins Gespräch kommt. Es wird sehr schnell klar, dass hier viele Leute darüber nachdenken, aber oft noch keinen Entschluss fällen konnten oder wollten. Und je weiter diese Gedanken schon gegangen sind, desto höher scheint die Motivation sich hier auszutauschen.

Ich finde das persönlich super und habe auch schon viel dabei an Erfahrungen (anderer) gewonnen. Und falls es meinen Gesprächspartnern auch so ging, ebenfalls super. Geplant oder erwartet hatte ich das aber nicht.

Wenn also die Langeweile überhandnimmt, schafft Euch eine Solaranlage an oder ein E-Auto, dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. Zum Thema Kinder empfehle ich aber eine doch weitergehende Prüfung der eigenen Motivation, da das mit der Anschaffung doch weitreichendere Konsequenzen hat als bei den anderen Beispielen.

Aber das wäre dann auch mal wieder echtes DIY, oder?

Videomanie und künstlicher Irrsinn

Ich liebe es im Netz nach neuen Ideen und technisch pfiffigen Umsetzungen zu surfen. Dabei bin ich durchaus flexibel, wie die Dinge präsentiert werden. Gerade bei beweglichen Lösungen ist es aber absolut nachvollziehbar, das eine video-basierte Darstellung besser geeignet ist als diverse Fotos. Auch ist es oft natürlich leichter nachzuvollziehen wie denn nun ein vorgestelltes Teil funktioniert, wenn man es in Aktion oder im Aufbau sehen kann. Ebenso kann eine Erklärung besser verständlich sein als ein ellenlanger Text.

In der Folge bieten sich also Plattformen wie Youtube an und sind auch sehr ausgeprägt in Verwendung. Tatsächlich erreichen viele Leute hier schon sehr professionelles Niveau und bieten gute Unterhaltung gepaart mit ordentlichen Wissenstransfer. Auch neige ich zu der Annahme, das sich hier die Masse an Vorstellungen und Inhalten findet.
Im Vergleich ist ein Blog schlecht sichtbar und ohne multimediale Überarbeitung auch im Vergleich weniger unterhaltsam (ein passender Vergleich wäre wohl ein Buch im Vergleich zu einem Film).

Für mich selbst muss ich allerdings feststellen, dass die Videomanie auch erhebliche Nachteile hat, vor allen wenn die Information nur noch per Video verfügbar ist. Nebenbei: Ein vergleichbares Defizit zeigt sich zunehmend auch bei normalen Nachrichten.

Natürlich versuchen einige Leute von Videos (und nebenläufiger Werbung) zu leben, was wohl durchaus möglich ist (für mich immer noch erstaunlich). Influencer sind ein gutes Beispiel einer Berufsgruppe, deren Geschäftsmodell sich meinem Verständnis weitestgehend entzieht. Vor allen auf der “Kundenseite” verstehe ich nicht, wie ein derartiges Verkaufsmodell Akzeptanz finden kann. Aber was soll’s , zurück zum Thema.
Es ist damit klar, dass der Aspekt Entertainment hier im Vergleich höher angesiedelt sein muss als bei rein informationsgeleiteten Darstellungen.
Allerdings muss ich mit zunehmenden Entsetzen feststellen, dass diese Leute sich in einem steigenden Anteil und zunehmenden Maßstab wie Wahnsinnige darstellen und (zumindest für mich) eine an sich hochinteressante Idee völlig in den Hintergrund schieben. Das Minimum scheint danach das Sprengen oder Abfackeln der präsentierten Lösung zu sein (oder seiner Umgebung). Das geht dann so weit, dass ich im Vergleich die im Container-TV gezeigten Charaktere fast als Intellektuelle einordnen muss oder diese Youtuber als pathologisch geisteskrank.

Man möge mir eine gewisse Unwilligkeit verzeihen, natürlich dürfen das diese Leute so machen und natürlich darf man sich das in Hirn blasen (tue ich ja auch, oft sogar mit einer gewissen Faszination). Es wäre nur auch toll, wenn diese Infos (ergänzend?) auch in einer anderen Form verfügbar wären und etwas weniger überdreht.

Für mich ist diese Art der Darstellung nichts, ich bleibe old-school bei Texten und erfreue mich trotzdem über gut gemachte Videos anderer Leute.
Auch wenn das im Vergleich sicher weniger unterhaltsam ist. Vielleicht ergibt sich ja dabei mal ein interessanter Meinungsaustausch, das ziehe ich Likes oder tausenden von LOLs oder auch ROFLs vor. Und da ich damit kein Geld verdiene, muss ich mich da auch nicht verbiegen.

Trotzdem: “Bunt ist das Dasein und granatenstark… und VOLLE KANNE, HOSCHI!” (Filmzitat aus Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit)

IOT – Ignoranz, Orientierungslosigkeit, Träumereien

Einer der Gründe, weshalb ich das Hobby der Elektronikbastelei wiederbelebt habe, ist die scheinbare Ignoranz praktisch aller Hersteller im digitalen Umfeld in Bezug auf Kundeninteressen und die aus meiner Sicht extreme Fokussierung auf Kundenbindung per Zwang. Praktisch jeder schafft seinen eigenen Tümpel (aus nachvollziehbaren Gründen) und praktisch niemand denkt über den eigenen Tellerrand hinaus. Dieser Artikel beschreibt nur meine persönliche Meinung dazu. Wer hierzu auch eine Meinung hat kann mir diese gerne per Email zukommen lassen. Das Kommentarfeld lasse ich aber inaktiv, um mir Spams und diverse Rechtsfolgen zu sparen.

Wer sich in den letzten Jahren an der “Digitalisierung” seiner häuslichen Umgebung versucht hat, ist bis auf Handy, PC, Tablet und SmartTV wahrscheinlich nicht wesentlich hinaus gewachsen.
Mutige Bürger haben sich “semi-intelligente” Assistenten ins Haus genommen (Alexa und Co lassen grüßen), die ohne jegliche Sicherung hochkonzentriert jeglichen (kostenpflichtigen) Wunsch erfüllen (“Alexa, kaufe einen Sportwagen”). Die ganz Harten regeln dann noch die Heizung mit smarten Heizkörperreglern oder lassen sich von multiplen Lichtprogrammen stimmungsgerecht im Fersehsesseln mit SmartTV-Berieselung in den Schlaf begleiten. Unsere Versorger haben sich mit staatlicher Unterstützung an der Zwangsbeglückung mit smarten Energiezählern ebenfalls eingereiht (für die Masse der Betroffenen ohne jeglichen Mehrweit, perspektisch über Jahre hinaus). Küchengeräte haben sich Verbindungsoptionen geschaffen (oft ohne jeglichen Nutzen) und Staubsauger vermessen die Wohnung haargenau zur besseren Orientierung.

Allen angebotenen Lösungen gemeinsam kann man unerstellen, das sie primär dafür gebaut wurden, eine maximale Abhängigkeit zum Hersteller zu schaffen und bei Abkündigung des Produkts, Umstellung auf neue herstellereigene Standards oder einfach Aufgabe des Geschäftsfeldes als Elektroschrott eine neue Karriere zu starten. Ein minimaler Nutzen für den Käufer ist ein notwendiges Übel um die Dinger überhaupt verkauft zu bekommen, nicht aber das wirkliche Produktziel. Auch wenn die Preise für die Geräte oft kaum kostendeckend sein dürften, zeigen die meisten Geschäftsmodelle auf Gewinnpotentiale durch Zusatzdienstleistungen (die oft und gerne ungefragt über “kostenlose” Probemitgliedschaften untergejubelt werden) oder Datensammlungswut mit Einnahmen in der späteren Verwertung.

Es ist immer noch sehr schwer irgend eine integrierte Lösung zu finden, die wirklich auch mit Fremdsystemen zusammen funktioniert, nicht beliebige Mengen Daten sammelt und auch nicht beliebig viel Angriffsfläche für Missbrauch bietet. Es scheint sich wieder zu zeigen, das nur der Ansatz der Integration in die Marktführersysteme bei den Assistenzsystemen greift um wenigstens funktional einen Mehrwert zu bieten. Kleinere Anbieter oder Bastler schaffen die Interoperatibilität, indem sie die Anbindungen schaffen und damit die Grenzen verschwimmen lassen. Oder eine neue Insel schaffen, die wieder jeglicher Integration trotzt.

Datenschutz ist oft gar kein Thema, entsprechende Grundrechte können oft nur beliebig umständlich und ständiger Wachsamkeit wahrgenommen werden (können Sie Alexa beibringen einfach die Sprachaufnahme nach Verarbeitung ohne Aktion ihrerseits zu löschen?). Daten- und IT-Sicherheit ist dann noch eine Dimension problematischer. Beliebige Verbindungen in irgendwelche Datenclouds irgendwo auf der Welt, keine oder umständliche Sicherheitsupgrades, kurze Produktzyklen nach denen gar nix mehr geht, umfassende Schwächen die Angriffe teilweise schon unverschämt einfach machen und ein Support der mit Kundendiest so gar nichts mehr zu tun hat.

Man muss sich auch mal bewusst machen, wieviel IT schon nur mit PC/Laptop, Smartphone, SmartTV und Router im Haus läuft und wieviel Aufmerksamkeit dieser “Minimumstandard” eigentlich schon erfordert. Die Komplexität einer IOT-geschwängerten Umgebung dürfte die meisten Normalsterblichen erheblich überfordern, Personen mit entsprechenden Hintergrund eher erschrecken.

Fazit:

Wer heute ein System haben möchte, das wirklich unterstützt und nicht einfach nur Dinge anbietet, die vorher keiner gebraucht hat, baut es sich innerhalb seiner Grenzen selber zusammen oder lässt es einfach bleiben.
Wem es nur um den Spieltrieb geht, hat sicher mit den aktuellen Lösungen Freude (um den Preis weiter eingeschränkter Privatsphäre und dem Potiential beliebiger Schäden an den eigenen Daten).
Alle anderen stellen schnell fest, das ein “Smarthome” eine Menge Geld verschlingt und am Ende eher einer Frankenstein-Figur gleicht (irgendwie lebendig, die Teile aber in verschiedenen Stadien des Todes) und bleiben bei bewährten Schaltern und Fernbedienungen. Die funktionieren eben auch ohne Cloud, Abos und Zustimmungserklärungen am laufenden Band.

Ich würde mir wünchen das für Hausautomatisierung oder Assistenzsysteme zumindest rudimentäre gemeinsame Vereinbarungen geschaffen werden, um den Schritt in integrative Systeme zu erleichtern und potientiellen Benutzern wirklich einen Mehrwert anzubieten. Nicht aber eine Seenlandschaft aus Inseln mit maximaler Abhängigkeit zu den Herstellern, maximaler Transparenz und beliebiger Angriffsfläche für Hacker.

Träumen darf man ja mal… wahrscheinlich wird es für den “Verbraucher” einfach nur immer schwerer Geräte zu bekommen die nicht irgendein “pseudosmartes” Feature bieten, das man nicht braucht und auch nicht haben will.
Und das wir (so man sich dazu noch aufraffen kann) jedes Wochenende damit beschäftigt sind unsere Datenspuren zu beseitigen oder uns über neue Datenschutz-Skandale zu informieren, während wir perfekt auf uns zugeschnitte Werbung ignorieren und unsere Gerätelandschaft versuchen am laufen zu halten.

Bon vojage!

DIY – oder: sammle was die Bude fassen kann.

Eine der bei mir leider typischen Symptome bei einem Thema das mich (privat) interessiert ist eine ausgeprägte Neigung (zu) viel gleichzeitig zu machen. Mit dem Start zurück in die Basteleien mit elektronischen Schwerpunkt hat sich das leider wieder deutlich gezeigt und vertieft. Wohlgemerkt, das muss nicht negativ sein und ist kein Qualitätskriterium (jeder macht das unbewusst so in anderen Bereichen und auch Firmen verschachteln viele Tasks ineinander). Man muss es halt unter Kontrolle haben.

Da ich bei der Anschaffung von Teilen (anfangs waren es primär Breakout-Boards) sehr früh und sehr ausgeprägt auf den Direktbezug aus China setze, einfach weil sonst zu viel Geld auf der Strecke bleibt uns es ja primär ein Hobby ist, habe ich mit mehrwöchigen Wartezeiten auf die Lieferung der Teile klarzukommen. Soll keine Beschwerde sein, ist einfach so.
In der Konsequenz probiert man aber etwas aus, stellt dann fest das es so nicht geht oder anders einfach besser, bestellt die neuen Teile und wartet.

Warten ist bei mir ganz doof, also inzwischen was anderes gemacht. Und wieder, wieder, … und schwupps, hat man ein ganzes Bündel an Projekten am laufen – oder genau genommen am warten. Das ganze nimmt schnell überhand und wird immer mehr Zeugs, was auf Verbau oder anderweitige Verwertung wartet.
Bei mir sammeln sich inzwischen einige viele Kisten an Material an, mit der Tendenz noch einige mehr davon zu bekommen.
Nebenbei einer der Gründe warum ich an diesem Blog tippe, das verhindert weitere Einkäufe und ich bin beschäftigt und aufgeräumt. Oder auch nicht, naja.

Solltet Ihr Euch in einem Berg von Elektroschrott also nicht wohlfühlen solltet Ihr:

  • eine geeignete Persönlichkeit besitzen um die Dinge sortiert hintereinander und langsamer abzuarbeiten (nee)
  • genügend Stauraum für Material haben (naja)
  • genügend Kohle um das Zeug zeitnah lokal zu beschaffen (ohne Worte)
  • einen sehr geduldigen Partner haben (ja, ist bei mir ohne Frage so)
  • hinreichend Selbstorganisation zeigen um das ganze noch zu managen (meistens ja, manchmal frage ich mich schon selber)

Dafür habt Ihr aber viele neue positive Einflüsse auf Eure Leben:

  • Ihr bekommt ein deutlich näheres Verhältnis zu Euren Paketdienst(en): “Die Chinapackerl nehmen einfach kein Ende…”
  • Selbstorganisation ist eine pure Notwendigkeit (wo liegt das schon wieder?).
  • Logistikspürsinn geht ins Blut über. Ich finde zwar den Weg zum Kühlschrank ohne Navi nicht, aber wo meine Päckchen sich rumtreiben spüre ich fast intuitiv.
  • Man bekommt komische Hobbies wie das steigern des eigenen Käuferstatus (“Diamond”-Käufer bei Aliexpress!).
  • Immer wieder schöne Momente wenn einem wieder beim Suchen ein Teil vor die Füße fällt (ach ja, damit wollte ich ja…).
  • Neue Feiertage zeichnen sich ab (Black Friday, Cyber Monday, …).

Also, frisch ans Werk und keine Scheu vor Materialschlachten. Am Ende findet alles seinen Platz und als Messi kann man auch ein glückliches Leben führen! Nicht zu vergessen, ab einem gewissen Lagerbestand hat man viel mehr Möglichkeiten mal was auszuprobieren (liegt ja genügend rum). 

Chinaware – Überlegungen zum Direkteinkauf

In den letzten Monaten konnte ich viel Erfahrung mit dem Einkauf von Produkten direkt aus China sammeln. Da im Bereich DIY dieser Kanal durchaus relevant ist (sowohl in der Verfügbarkeit von Komponenten als auch im Preis), möchte ich meine Überlegungen hier für potentielle “Mittäter” dokumentieren. Wer hierzu eine Meinung hat kann mir diese gerne per Email zukommen lassen. Das Kommentarfeld lasse ich aber inaktiv, um mir Spams und diverse Rechtsfolgen zu sparen.

Zum Einstieg aber ein Absatz zur Motivation für den Direktimport.
Ich bin durchaus ein Fan der Ansicht, man soll regionale Händler unterstützen. Das wird von mir auch gerne für regionale Produkte gemacht und für Einzelhändler, wie wirklich eine echte Beratung oder eben individuelle Dienstleistungen bieten.
Ich unterstütze allerdings keine Kistenschieber oder 08/15 Ramschläden mit Standardsortiment (“ohne Extras”). Die sind bei mir schlicht und einfach gleichberechtigt mit allen anderen Vertriebswegen und in der Folge zumeist wenig attraktiv. Man könnte hier auch gleich mit dem Thema Onlinehandel versus Einzelhandel stationär an sich starten, das würde jetzt aber zu weit führen.

Da im Bereich DIY-Elektronik ohnehin fast alles aus China bzw. Asien allgemein kommt und auch die Konkurrenz vorwiegend innerhalb der asiatischen Länder lokalisiert ist, stehen aus meiner Sicht dem Direktimport wenig patriotische Gründe entgegen. Regionale Hersteller sind hier extreme Ausnahmen, der Schaden geht primär an Elektrogroßhändler wie Conrad etc. Und die sind im Sortiment teilweise gar nicht vergleichbar.

Der Vertriebsweg ist inzwischen mit dem Onlinehandel sehr gut ausgebaut, praktisch alle Plattformen bieten entsprechende Waren an. Besonders aktiv sind hier inzwischen Amazon, eBay und Aliexpress. Alle sind für Privatleute erreichbar und mehr oder weniger komfortabel. Problematisch ist hier aus meiner Sicht, das es (gerade bei Amazon) schwer erkennbar ist, aus welchem Kontinent man gerade bezieht. Ich habe definitiv kein Problem in China zu kaufen, will das aber klar erkennen und (je nach Anforderung) auch gezielt ausschließen können.

Wenn man sich aber für sowas entscheidet, sollte man sich über die Konsequenzen im klaren sein. Handler, die nicht in Europa ansässig sind, folgen primär den Anforderungen des Heimatlandes. Man kauft also im “Ausland” ein. Der Verbraucherschutz in Europa ist beim Onlinehandel sehr umfangreich. Handel mit China entspricht eher den Gepflogenheiten im B2B-Bereich (und da ist alles Verhandlungssache).
Bei den asiatischen Kollegen bedeutet dies sehr häufig:

  • Die Produktbeschreibung ist in einer Art von Englisch oder einer Autoübersetzung ins Deutsche gehalten. Wenn man das oft genug gesehen hat, versteht man das Kauderwelsch immer besser. Dennoch hat das oft nichts mehr mit dem Produkt an sich zu tun.
  • Die Beschreibungen immer komplett in allen möglichen Plätzen lesen, also Titel, Kurztext, die einzelnen angebotenen Varianten, etc… Oft finden sich versteckt Hinweise und Einschränkungen oder es werden in den Titel (Un-)bewusst fehlleitende (manchmal falsche) Informationen gelistet.
  • Händlerkontakt ist (wenn überhaupt) in Englisch möglich. Reaktionszeiten von wenigen Stunden bis nie sind normal. Die Reaktion auf Produktfragen ist oft nichtssagend, beschwichtigend oder irrelevant.
  • Die Lieferzeiten können wenige Tage bis mehrere Monate dauern. Gerade billige Teile sind im Schnitt 4-8 Wochen unterwegs.
  • Manche Lieferungen kommen nie an (wenn auch im Verhältnis wenige),
  • Das deutsche Verbraucherrecht ist faktisch nicht durchsetzbar, wenn die Plattform die Durchsetzung nicht treibt.
  • Rechnungen sind nicht zu erwarten, kaum zu bekommen und selbst wenn man die bekommt nicht sinnvoll verwendbar (besonders gegenüber dem Finanzamt).
  • Garantie ist eine reine Verhandlungsbasis und eher nicht zu erwarten.
  • Man kauft im Ausland, also Zoll und deren Regeln. Dazu später mehr.

In der Konsequenz:

  • Rechnet mit Komplettausfall der Bestellung nach der maximalen zugestandenen Lieferzeit (Nichtlieferung).
  • Wenn das Produkt defekt ist, nutzt den Beschwerdeweg der Plattform.
    Amazon bietet hier die A-Z Garantie, die ganz gut funktioniert.
    Aliexpress hat hier einen Dispute-Prozess.
    In beiden Fällen endet man (wenn’s gut gelaufen ist) mit einer Rückerstattung des Kaufpreises, sonst mit Totalverlust.
  • Nachbesserung oder Tausch ist meist nicht möglich. Minderung eine Option, aber eher selten.
  • Bei den billigen Versandarten gibt es kein Tracking, und das dennoch vorhandene rangiert von lückenhaft über falsch bis hin zum Tracking eines anderen Produkts. Verbindlichkeit gibt es nur bei den Versandoptionen mit Tracking, dann wird es aber schnell teuer und in der Konsequenz unrentabel.
  • Was man bekommt ist ein wenig ein Überraschungsei. Von “alles perfekt über “nur Teile des Ganzen” bis “ganz was anderes” hatte ich schon alles.
  • Die Verpackung ist normalerweise eher mau und damit die Gefahr von Beschädigungen hoch.
  • Vieles sind absolut klar erkennbare Fälschungen, oft aber schon so gut das es nicht mehr feststellbar oder relevant ist. Verstärkt wird das Problem mit der miesen Beschreibung und den oft widersprüchlichen Photos.
  • Wichtig: Manche der gelieferten Teile entsprechen gar nicht europäischen Standards und können sogar gefährlich sein (z.B. Giftstoffe, Brandgefahr). Auch ist der Betrieb in Deutschland nicht pauschal zulässig (z.B. verwendete Funkfrequenzen oder Funkleistung).

Auf der Plusseite:

  • Natürlich der Preis. Selbst wenn es kein Original ist, sondern nur ein “guter” Nachbau spart man sich problemlos 30-60% zum Regelpreis bei offiziellen Bezug. Porto ist z.B. bei AliExpress dazu oft vernachlässigbar oder geringfügig, gerade im Vergleich zu deutschen Tarifen.
    Mal einen Satz Dioden für 20ct in Summe zu bestellen ist kein Thema, in Deutschland schon wegen der Versandpauschalen unmöglich.
  • Die meisten Händler sind sehr bemüht dich als Kunden wirklich zufrieden zu stellen. Betrug (das Thema Plagiate mal ausgenommen) eher selten und dann meist durch die Beschwerdeprozesse der Plattform gut unter Kontrolle.
  • Einzelne Perlen und auch die in Asien angesiedelten Hersteller im Direktvertrieb stehen deutschen Standards in nichts nach. Hier ist die Auswahl der Anbieter (wie so oft) das wichtigste.
    Leider gilt gerade dieser Punkt auch für deutsche Händler. In der ganzen Zeit waren die übelsten Stresslieferanten nicht die Chinesen, sondern meine innerdeutschen Bestellungen.

Zoll:

Ha, ein tolles Thema (vor allen wenn man bei Amazon versehentlich aus China bestellt).
Die Infos sind nicht rechtsverbindlich und können auch in Teilen falsch sein. Bitte im Einzelfall selber prüfen und abklären!

Der deutsche Zoll wird im Regelfall dann aktiv, wenn der deklarierte (oder vermutete) Warenwert mit Versandkosten nicht mehr unter 22€ liegt. Dann wird 19% Einfuhrumsatzsteuer fällig.
Dazu hat der Zoll eine nette Seite.
In Deutschland wird (inoffiziell) aber erst abgerechnet, wenn die Abgaben 5€ erreichen. Damit ergibt sich hier ein “Freibetrag” von theoretisch 26,30€.
Wenn der Einkaufswert 150€ übersteigt, kommen evtl. Zollkosten dazu. Hier bitte direkt mit dem Zoll vorher klären was es kostet, da es hier keine pauschale Regelung gibt sondern Warenklassen die Beträge definieren.
Ein guter Weg damit umzugehen ist die Bestellung aus einem innereuropäischen Warenlager (so verfügbar, z.B. Spanien, Frankreich). Dann ist die Lieferung innereuropäisch und per Definition zollfrei.

Fazit:

Wenn man grundsätzlich Zeit hat, etwas Nervenkitzel braucht und ein detektivisches Grundgespür hat und einfach nur Bastelware braucht, kann es mit Direktimport versuchen und wird zumeist gut damit laufen. Gelegentliche Fehlschüsse und Komplettausfälle sind dann zu verkraften. Wenn die einzelnen Teile aber dann teuer werden, würde ich persönlich das Risiko nicht mehr eingehen wollen.

Wer Teile schnell braucht, die Teile deutschen Qualitätsansprüchen genügen sollen und man die Verbraucherrechte wahrnehmen will oder einfach eine Rechnung für das Finanzamt braucht, sollte die Finger davon lassen. Geld ist nicht immer die Priorität, und manchmal kostet sparen einfach zu viel Geld in Folge.

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